Gebäude mit davorliegender Frühstücksterrasse im Sonnenschein

Donnerstag, 20. September 2018

BCN 02 – Zeichen lesen

Gebäude mit davorliegender Frühstücksterrasse im Sonnenschein
Hier gibt’s Futter… (Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Nun bin ich hier und lasse mich fallen. Die Nacht war ruhig, allerdings bin ich um 5:15 Uhr aufgewacht, vermutlich wegen… 😂 Ach, was.

Danach aber wieder schön eingeschlafen und um 8:30 Uhr aufgestanden, gewaschen und zum Frühstück (desayuno, man erinnere sich!) marschiert.

Noch das Abendessen gebucht, bezahlt und ab mit dem tollen Fiat 500 auf nicht mautpflichtigen Straßen nach Monserrat. Dort trotz Navi mehrere Male krass verfahren. Das liegt hier an den übelst verschlungenen Kreisverkehren in Verbindung mit vielfachen Abzweigungen, Über- und Unterführungen, Einbahn- und Stichstraßen. Begleitet wurde diese richtungslose Fahrerei von Audiogliders „Polydirective“:

YouTube-Video: Audioglider, „Polydirective“

Als ich an Terassa vorbei fuhr, ertönte „Rooftop Terrace“ von Devaloop:

YouTube-Video: Devaloop, „Rooftop Terrace“

Danach fand sich der Weg und genau in dem Moment, wo sich dieses

Panoramabild der Gebirgsketten Montserrat mit blauen Himmel dahinter und grünen Hügeln im Vordergrund
Der Sandsteingebirgszug „Montserrat“, als Teil des Katalanischen Vorküstengebirge, „Serralada Prelitoral Catalana“ (Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

grandiose Panorama eröffnete, lief aus meiner Chillo-Playlist „God’s Channel“ von Astropilot:

YouTube-Video: Astropilot, „God’s Channel“

Am Orte des Geschehens angekommen, das Autochen ordentlich im Parkhaus abgestellt, ging es erstmal mit einer Art Straßenbahn zum Kloster hoch.

Der Blick durch das Führerhaus der Bergbahn auf die Schienen in Fahrtrichtung nach oben
Der Blick durch das Führerhaus auf die Schienen (Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Die Panoramen auf der Fahrt waren schon beeindruckend:

Blick aus der Bergbahn auf grüne Hügel und die Ansiedlung Monistrol de Montserrat
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Blick aus der Bergbahn hinauf auf bewachsene Felsen
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Blick aus der BErgbahn auf Monistrol de Montserrat
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Blick aus der Bergbahn hinauf auf das Kloster Sant Benet de Montserrat auf einer Felskette
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Dann die Ankunft in der Bergstation und der erste Blick auf Klostergebäude und den Schienenstrang:

Der vorgelagerte Teil des Klosters Montserrat mit Fels und Himmel im Hintergrund
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Links das Ende des Schienestranges der Bergstation, rechts der Blick ins Tal hinab
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Hohe, abgerundete Felsnasen mit gemauerter Terrasse im Vordergrund
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Das Kloster liegt etwa auf halber Höhe eines sich nach oben hin trompetenförmig verengenden Taleinschnittes. Die gegenüberliegende Talseite sieht dann so aus:

Blick entlang des Felsmassivs nach Süden, rechts bewaldete Felsen, links der Blick in die Ferne
Da lockt sogleich ein Gipfelkreuz… (Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Völlig überwältigt von der Verbindung zwischen Natur und Architektur orientierte ich mich zunächst auf dem Hochplateau:

Moderne Architektur in den Fels gezimmert
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Bronze-Figur einer sich aufichtenden Person auf Steinsockel in einem Terassenahain
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Blick in den Taleinschnitt hinein mit dem Kloster als Ganzes
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Ganz unvermittelt entdeckte ich, dass hier oben auch ein Zubringer zum Jakobsweg existiert, sichtbar u. a. am gelben Pfeil:

Weggabelung aus Natursteinpflaster mit gelber Pfeilmarkierung auf Mauervorsprung
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Zwar folgte ich dem Ruf nach Santiago nicht, aber der Wegweiser inspirierte zu einer Wanderung südöstlich um das Massiv herum. Eine Art Gottesmutter-Gedenkweg – alle paar Meter sind kleine Votivschreine in Form von gekachelten Ikonen auf den Fels aufgebracht – führt durch einen herrlich duftenden und dankenswerterweise schattigen, mediterranen Mischwald. Mit jedem Schritt wird dieser Pfad für die anwesenden Massen von Touristen augenscheinlich unattraktiver und so haben sich nach wenigen hundert Metern die gleichgesinnten Personen auf einige wenige dezimiert. Andacht, Ruhe und Besinnung kehrt ein.

Beigefarbener Sand- und Schotterweg zwischen grünen Büschen
Ein geradzu paradiesischer Hain (Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Drei junge Frauen stehen nach einer ganzen Weile ratlos auf dem Weg und fragen mich – auf Grund meines beschwingten, sicheren Schrittes offenbar abnehmend, ich wüsste mehr – wie weit sich dieser Weg wohl noch so hinzöge. Ich lächle und gebe frank und frei zu, dass ich auch nichts weiß, und einfach weiterzugehen gedenke, bis es nicht mehr geht. Die drei lächeln verlegen und entscheiden sich ob dieser präsentierten Unwägbarkeit umzukehren. Ich erschnüffele derweil lauschige Orte zum Verweilen, Nachdenken, Sich-Sinken-Lassen und setze mich hier und dort nieder.

Gelbes Band und Sammlung von kleinen, herbeigetragenen Steinen auf einem großen Bruchstein
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Umrankte Felsnische mit überdachtem, farbigen Gottesmutterbild auf Kacheln
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
5-Steine-Pyramide auf bemoostem Fels
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Mein Blick schweift in die Ferne. Hinter dem Dunst am Horizont zeichnen sich eindrucksvoll die Gipfel der Pyrenäen ab, hinter einer samtig-grünen Hügelkette versteckt sich Barcelona, Flüsse und Schnellstraßen durchschneiden die hügelige und bergige Landschaft, meine Gedanken werden von zartem Vogelgesang und dem Rascheln der Blätter, den befreienden Horizonten und betörenden Gerüchen zu Erinnerungen in ferner Zeit getragen.

Hach, das Pilgern…!

Ein behendes, bezüglich des zur Verfügung stehenden Raumes geradezu verhaltenes Umfassen der Welt. Ein unmittelbares Ermessen des irdischens Seins. Eine leise Liebeserklärung an die sichtbare Schöpfung. Und gleichzeitig ein Loslassen von Allem mittels Durchdringung. Wahrnehmen und doch nicht für wahr halten. Berauschtsein in gleichzeitig hingebungsvoller Ernüchterung.

Mein Marienpfad fand schließlich doch ein Ende. Auch wenn unterwegs eine symbolische Sonne eine Verlängerung anbot:

Gelb-weiße Sonnensymbol-Kachel als Wegemarkierung auf dem Felsen
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

und mitteilsame Bauwerke zum Bleiben aufforderten:

Naturstein-Säulengang mit fünf Rundbögen und zwei Treppen hinauf
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

So zog es mich nach einer guten Stunde der Kontemplation doch wieder zum Ausgangspunkt zurück. Weitere Wege warteten darauf, begangen zu werden, luftige Höhen lockten mit umfassenderen Aussichten.

Blick von oben auf die Mittelstation der Seilbahn
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Noch eine kurze Runde durch die ungewöhnliche Höhen-Siedlung:

Straßenschlucht zwischen hohen Sandstein-Gebäuden im Kloster
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Gebäude-Innenhof-Ecke mit Säulengängen und Bepflanzung
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Figurenreiches Tympanon über Eingangsportal der Klosterkirche
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Da ich schon frühzeitig am Tage beschlossen hatte, diesen Ort mindestens noch ein zweites Mal aufzusuchen, sparte ich diverse Sehenswürdigkeiten, das Museum und die schwarze Madonna beispielsweise, für diesen Tag aus. So nahm ich stattdessen anschließend eine weitere Bergbahn, und ließ mich nochmals 250 m höher fahren.

Blick von der Mittel- zur Bergstation der Standseilbahn hinauf
Die Sonne wirft einen Stahl der Erleuchtung… – auf die Bahnstation (Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Blick aus der fahrenden Standseilbahn hinab zum Kloster
Schwindelfreiheit ist Pflicht (Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Das Bild der Vegetation änderte sich stark. Felsen drängten sich zwischen knorrigen Bäumen und flacheren Büschen und Sträuchern gen Himmel. Und auch die Anmutung von Wegen in dieser Gegend wechselte:

Steiler Steinpfad den Berg hinauf mit Baum im Weg
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Und dann stand ich vor dem Bild, welches mich an diesen Ort gelockt hatte. Mit anderem Tageslicht zwar war es doch unverkennbar der Blick auf das Gebäude-Ensemble vom anonymen Foto aus dem Internet, der mich schlagartig in Resonanz gehen ließ:

Blick von der Bergstation der Standseilbahn zum Kloster hinab, im Hintergurnd die Ebene vor den Bergen
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Ab da ging es aber eigentlich erst richtig los. Das ist wie beim Meditieren: Wenn man glaubt, das wäre es jetzt wirklich gewesen, und alles baue letztendlich nur auf dem bereits Erlebten auf und wäre also eine zwar neue, aber doch einigermaßen erwartbare Variation des Bekannten, heißt es, achtsam zu sein. Ganz besonders achtsam! Weil genau dort die eigentlich Arbeit beginnt. Alles an erworbenem Wissen, alle erfahrenen und sortierten Hinweise sind hier in allerhöchster Konzentration beisammen zu nehmen. Sie sind in einem steten Prozess zu verknüpfen und mit gleichzeitiger schmetterlingshafter, selbstverständlicher Unbekümmertheit und alle Konsequenzen im Blick habendem, heiligen Ernst in die Waagschale zu werfen. Samt seiner selbst!

Chöd.

Und dann taucht das auf:

Rundum-Panorama vom Gipfel des Sant Joan
Ein überragendes Gipfel-Panorama (Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Ein Sichtfeld, teilweise weit über hundert Kilometer in die Landschaft hinein. Im Norden und Osten begrenzt durch die Pyrenäen, im Süden durch das Mittelmeer und im Westen durch das ausgedehnte Ebro-Becken.

Ich mag das Original von Marvin Gaye & Tammi Terrell wirklich sehr, aber diese Version von „Ain’t no mountain high enough“, gesungen von Ramona Nerra und Butch Williams passt zu den Höhenzugen rund um mich herum noch viel besser:

YouTube-Video: Ramona Nerra und Butch Williams, „Ain’t no mountain high enough“

Und von dort startet eine lange Wanderung zu den Einsiedeleien der Heiligen Magdalena, des Heiligen Johannes und des Heiligen Onofrio. Und während ich so durch die zerklüftete Gegend spaziere und steige, kommt mir der Einfall, dass die Hiergewesenen mit dem Bau dieser Rückzugsräume sich eine karmische Erinnerung lebendig machen wollten, die sie Jahrhunderte vorher im Mutterland ihrer Kirche, dem heutigen Libanon, durchlebt hatten.

Kleine sandstein-Kapelle auf Felsvorsprung, im Hintergrund die ferne Landschaft
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Also habe auch ich mich an einem solch exponierten Platz niedergesetzt und mich in mich, also die Welt hineingesenkt, bevor ich zu Fuß den Weg hinunter angetreten habe. Selbstredend nicht, ohne dass anfängliche Kreuz noch zu besuchen:

Portrait meines sonnegeblendeten Gesichtes am Gipfelkreuz mit Landschaft im Hintergrund
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Von der anderen Talseite hatte ich bei inzwischen sehr tief stehender Sonne dann folgende Perspektive:

Blick von Südost auf die gesamte Klosteranlage am Berg
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Als ich dann im Klosterbereich wieder ankam, war es bereits halb sieben und ich nahm die vorletzte Bahn zurück zur Talstation.

Der Vergleich des neuen mit dem alten Transportmittel ließ mich schmunzeln:

Die moderne Zahnradbahn am linken Gleis im Tal-Bahnhof
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Lok und Waggon der alten Zahnradbahn als Austellungstück auf dem Bahnhofsvorplatz
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Mittlerweile war es recht spät. Am Morgen hatte ich mich für das Abendessen angemeldet, und da dieses täglich von 19:30 – 20:30 Uhr angesetzt ist, bin ich schnurstraks nach Hause gedüst. Kurz vor der Ankunft traf ich dann noch diesen Gesellen. Gott sei Dank nahm er ordnungsgemäß den Fußgängerüberweg, so dass nichts passierte. Auch beim Vorbeifahren ließ sich das Persönchen nicht beirren:

Blick aus dem Auto auf ein Wildschwein am Zebrastreifen
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)
Wildschwein kurz vor der Überquerung des Zebrastreifens
(Foto: Sarah A. Besic, CC BY-NC-SA 4.0)

Und nach all den überwältigenden Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen schloss die Heimfahrt ab mit „To be continued“ von Stillhead:

YouTube-Video: Stillhead, „To be continued“