Good Boys

Filmkritik zur Sneak-Preview der US-Teenager-Komödie

Der aktuelle Trailer von Good Boys (Universal Pictures Germany, YouTube)

Die drei Freunde Max (Jacob Tremblay), Thor (Brady Noon) und Lucas (Keith L. Williams) haben soeben die Elementary School abgeschlossen und gehören jetzt dem jüngsten Jahrgang an der weiterführenden Junior High an (s. US-Bildungssystem). Oberste Direktiven sind: Cool sein, ein gutes Bild unter Gleichaltrigen abgeben und sich ja nicht anmerken lassen, dass man vom Teenager-Leben und all seinen Begleiterscheinungen eigentlich noch keine Ahnung hat.

Eine einfache Story

In Vorbereitung auf ein Date bei einer Knutsch-Party („Wie küsst man eigentlich?“) lösen die drei Kindheitsgefährten unbeabsichtigt kleine und mittlere Katastrophen aus, werden in die zwielichtigen Belange anderer hineingezogen und müssen sich in hahnebüchenen Situationen bewähren. Dabei wird ihre Freundschaft eins ums andere Mal hart auf die Probe gestellt. Im Verlauf der Handlung geraten sie von einem Schlamassel in den nächsten und sehen sich in diesen ineinandergreifenden Episoden zahlreichen, bisweilen fast existenziellen Herausforderungen gegenüber.

Die wunderbare Welt der Sneak-Preview

Das schöne an einer Sneak-Preview (intern: Сникая Преуєф 😂) ist ja bekanntlich, dass man überrascht wird von dem, was kommt. Man kann zwar etwas erwarten und, ja, man kann sogar auf bestimmte Webseiten gehen, um sich vorab zu versichern, dass Dieses oder Jenes eher nicht kommt oder sehr wahrscheinlich gezeigt wird. Das habe ich auch schon gemacht, da ich Splatter-Gedöns oder solche brutalen Bad-Ass-Gangsterfilme gar nicht mag. Bei all den vielen Sneak-Montagen bin ich bestimmt schon vier, oder fünf Mal aus der laufenden Vorstellung entschwunden.

Irgendwann war ich dieses Sneak-Cheatens aber überdrüssig, weil es dem Sinn einer Sneak völlig zuwider läuft. Ich will ja überrrascht werden. Und ich lasse mich gerade inspirieren durch Filme, in die ich normalerweise ganz bestimmt nicht gehen würde. Also: Einfach mal Loslassen!

Der geplante Ausbruch aus der Unterhaltungsblase

Und dann passiert es immer wieder, dass ich Filme zu sehen bekomme, die ich so gar nicht auf dem Schirm gehabt habe. Sei es ein ungewöhnlicher Plot (jonathan, The Sisters Brothers,…), eine bizarre Genre-Mischung (Beach Bum, Schneeflöckchen,…), eine krasse Bild-Ästhetik (Hardcore, Shape of Water,…) oder einfach ein grandios guter (Three Billbords outside Ebbing,…) oder ein grandios schlechter (Sum 1,…) Film, immer wieder läd mich die Unabsehbarkeit des montäglichen Kino-Abenteuers ein, die gewohnten Pfade des Sehens, Hörens und Erzählens zu verlassen.

So geschah es auch an diesem Montag wieder. Ich soll, oder besser: Ich will jetzt also eine Rezension schreiben für einen Spielfilm, dessen Kernzielgruppe ich mal so eben um knappe dreieinhalb Jahrzehnte verfehle. Good Boys ist eine klassische Teeny-Komödie. Im Deutschen trägt der Film den doofen, deutschen Untertitel „Nix für kleine Jungs“. Diese lahme Übersetzung führt dazu, dass der ursprüngliche Symbol-Witz des Filmplakates völlig verfehlt wird. Im Englischen lautet der Untertitel nämlich „You must be this tall to see this movie“, wobei eine schwarze Linie auf dem roten Hintergrund eben diese tallness anzeigt. Naja…

Der Trailer nimmt diese Pointe jedoch gleich zu Anfang gekonnt auf. Der bekannte Seth Rogen taucht dabei erst- und einmalig tatsächlich nur im Trailer auf. Überhaupt gibt selbiger einen guten Überblick und Querschnitt über den Handlungsfaden und die involvierten Personen. Dies ist bei vielen Trailern durchaus nicht der Fall. Entweder man liegt in der Erwartung komplett daneben (z. B. Die Brücke nach Terabithia) oder aber der Trailer verspricht zu viel (z. B. World War Z) oder zu wenig (fällt mir grad nüscht ein).

Rasanter Humor

Was der Film schnell und schlagkräftig vermochte, war, dass im Kinosaal herzlich gelacht wurde – über unerwartet zotige Gags, altersbedingte Hilflosigkeiten und naive Welterklärungsversuche. Den Drehbuchautoren Gene Stupnitsky, gleichzeitig Regisseur, und Lee Eisenberg, beide Produzenten von Das Büro (2005), Year One (2009) und Bad Teacher (2011) gelang es, Dialoge zu stricken, die authentisch und trotzdem überraschend, einfühlsam und trotzdem originell den Zuschauer in das Geschehen einbinden und ihn mit den Protagonisten mitfiebern lassen. Die Story ist insgesamt sehr zugespitzt, aber dennoch nicht unglaubwürdig. Langeweile kommt währen der 89 Minuten jedenfalls nicht auf.
Es geht um gelebte Freundschaft, junge Liebe, das Ende der Kindheit, die Suche nach einer Ausrichtung im Leben, demr Behauptung unter Gleichaltrigen, die praktische Anwendung von Werten und die Konfrontation mit der Widersprüchlichkeit der Erwachsenenwelt.

All dies wird actionreich aufbereitet und bewegt sich sprachlich und inhaltich stets auf dem realistisch schmalen Pfad jugendlichen Überschwanges. Sexuelle Anspielungen, vulgäre Ausdrücke, gefährliche Situationen und der Kontakt mit Alkohol und Drogen sind dabei lebensnahe und weder vom Umfang noch von der Ausprägung her übertriebene Zutaten eines exemplarischen Teenager-Daseins.

Fazit

Ich fühlte mich während des gesamten Filmes gut unterhalten. Die ziemlich jungen Darsteller spielen gekonnt eine gut inszenierte und amüsante Geschichte. Kamera und Montage halten sich routiniert und professionell im Hintergrund und bedienen sich eines angemessenen Repertoires an Werkzeugen. Flache Kalauer gibt es zwar einige, sie passen sich aber Gott sei Dank überwiegend folgenlos in den Plot ein. Insgesamt ein, vor allem für jüngere Zuschauer, empfehlenswerter Film.